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  • Der Kohleausstieg in Deutschland: Ein erschreckender Mangel an Ehrgeiz

    Name:  coal3a.jpg
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    Liebe Community,

    Was passiert, wenn politische Prioritäten und nationales Interesse in einen Konflikt geraten?

    Diese Frage könnte man in Bezug auf so viele Themen der letzten 12 Monate stellen, und die Antwort würde leider allzu häufig lauten, dass politische Prioritäten dominieren. Diejenigen, die an der Macht sind, profitieren, während die Kosten vom Otto Normalbürger getragen werden. Und genau so läuft es mit dem Kohleausstieg in Deutschland. Im jüngsten Kapitel der Energiewende in Deutschland hat die Regierung letzte Woche eine schrittweise Abschaltung von Kohlekraftwerken entschieden, wobei das letzte Ende 2038 geschlossen werden soll.


    An diesem Punkt ist es wichtig anzumerken, dass sich bereits 14 andere Länder in Europa für den Kohleausstieg entschieden haben. Jedes dieser Länder geht einen etwas anderen Weg, jedoch haben sie eines gemeinsam: Keines dieser Länder wird nach 2030 noch Kohle verbrennen (siehe Grafik unten von Beyond Coal).


    Name:  Beyond Coal Graphic.png
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Größe:  52,2 KB


    Und in Deutschland? Hier wurden der Kohleindustrie noch zusätzliche acht Jahre gegeben. Nicht nur das; die Regierung hat darüber hinaus die Erlaubnis gegeben für die Inbetriebnahme einer neuen Kohlefabrik - Datteln IV - mit der Eröffnung zum Ende 2020.


    Gibt es in der deutsche Kohleindustrie etwas spezifisches, was einen früheren Ausstieg verhindern würde? Nein. Das Energienetzwerk hat bereits eine drastische Reduzierung der Kohleproduktion überstanden: In 2016 war der Anteil von Kohle an der Elektrizitätserzeugung 43% und fiel bis zur ersten Jahreshälfte in 2020 auf unter 20%. Und wirtschaftlich gesehen macht Kohleförderung auch keinen Sinn: Der in London ansässige Think Tank “Carbon Tracker” schätzt, dass 90% der deutschen Kohlekraftwerke in 2019 Verluste gemacht haben.


    Warum also dieser erschreckende Mangel an Ehrgeiz? Der Kohleausstieg ist eine politische Entscheidung und die Politik in Deutschland ist bestimmt dadurch, dass sie drei wichtige Anspruchsgruppen besänftigt: Die Koalitionsparteien, die Bundesländer und marktführende Industriebetriebe. Um diese drei Gruppen zufriedenzustellen, entwickelt die Regierung oft Lösungsansätzen, denen es an Ehrgeiz mangelt und die die Kosten - finanzielle und ökologische - auf die breite Bevölkerung abwälzen.


    Im Falle des Kohleausstiegs wurde das Problem einfach mit Geld überschüttet. Die Grünen (Partei) und die Bundesländer waren beschwichtigt, dafür die vom Kohleausstieg am härtesten getroffenen Regionen gesetzlich 40 Milliarden Euro Unterstützung vorgesehen sind. Die Kohleindustrie hat 18 Jahre Zeit, um die verlustbringenden Kohlefabriken abzuschalten. Und wenn es dann zur Stilllegung der Werke kommt, erhalten diese dazu noch Milliarden an Entschädigungen. Das Wochenmagazin Der Spiegel hat Anfang Januar 2020 berichtet, dass die Stilllegungspläne der Regierung identisch sind mit alten Plänen der Kohlefirma LEAG aus dem Jahre 2016. Wenn dies der Wahrheit entspricht, dann wird LEAG bis zu 1,75 Milliarden Euro erhalten, nur um genauso weiter zu machen, wie ohnehin geplant.


    Und hier kommt der Twist: Wenn Kohlefabriken früher als erwartet schließen, steigen die Entschädigungszahlungen, und dadurch auch die Kosten für den deutschen Konsumenten. Jedoch bedeutet dies nicht automatisch, dass sich der CO2-Ausstoß verringert. So machte ein Branchen-Journalist bei Veröffentlichung des Gesetzes auf folgendes aufmerksam:
    ​​​​​​​
    ,,Sobald die Auszahlungen gesetzlich geregelt wurden, besteht wenig Anreiz, diejenigen Kraftwerke am Laufen zu halten, die kaum ihre eigenen Kosten decken. Diese Bestände an Emissionszertifikaten (die im Besitz der Kohleförderer sind) könnten sogar gewinnbringend an andere Betriebe verkauft werden, die mehr davon haben würden.” (Quelle: Yahoo Finance)


    Indem sie der Kohleindustrie weitere 18 Jahre gibt, belastet die deutsche Regierung Konsumenten mit dem gesamten Risiko und Kostenaufwand. Es ist schwierig nachzuvollziehen, was Konsumenten als Gegenleistung für die Milliarden an Euro, die sie in dieser Zeit investieren, erhalten werden.

    ​​​​​​​
    Also, was können wir tun? Ich denke der einzige Weg, um klimarelevante Themen mehr zu pushen, wäre durch einen politischen Machtwechsel. Die etablierte politische Riege sollten den Weg freigeben für ein neues Team mit mehr Elan und Fokus auf die Zukunft. Sind deutsche Wähler bereit für glühenden Ehrgeiz? Ich hoffe ja.

    Habt Ihr eine Meinung zum aktuellen Stand des Kohleausstiegs in Deutschland?


    Liebe Grüße,
    Andrew
    Gründer von 4hundred

    Andrew ist regelmäßig in der Community aktiv um 4hundred mit Euch besser zu machen.
    Er hat leider nicht die Möglichkeit, täglich im Forum präsent zu sein. Habt Ihr Fragen oder Anregungen, schreibt sie bitte als Kommentar unter seine Threads, oder als Privatnachricht an Theresa. Sie kümmert sich darum, dass Eurer Input Andrew erreicht.
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    Liebe Community,

    Was passiert, wenn politische Prioritäten und nationales Interesse in einen Konflikt geraten?

    Diese Frage könnte man in Bezug auf so viele Themen der letzten 12 Monate stellen, und die Antwort würde leider allzu häufig lauten, dass politische Prioritäten dominieren. Diejenigen, die an der Macht sind, profitieren, während die Kosten vom Otto Normalbürger getragen werden. Und genau so läuft es mit dem Kohleausstieg in Deutschland. Im jüngsten Kapitel der Energiewende in Deutschland hat die Regierung letzte Woche eine schrittweise Abschaltung von Kohlekraftwerken entschieden, wobei das letzte Ende 2038 geschlossen werden soll.


    An diesem Punkt ist es wichtig anzumerken, dass sich bereits 14 andere Länder in Europa für den Kohleausstieg entschieden haben. Jedes dieser Länder geht einen etwas anderen Weg, jedoch haben sie eines gemeinsam: Keines dieser Länder wird nach 2030 noch Kohle verbrennen (siehe Grafik unten von Beyond Coal).


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    Und in Deutschland? Hier wurden der Kohleindustrie noch zusätzliche acht Jahre gegeben. Nicht nur das; die Regierung hat darüber hinaus die Erlaubnis gegeben für die Inbetriebnahme einer neuen Kohlefabrik - Datteln IV - mit der Eröffnung zum Ende 2020.


    Gibt es in der deutsche Kohleindustrie etwas spezifisches, was einen früheren Ausstieg verhindern würde? Nein. Das Energienetzwerk hat bereits eine drastische Reduzierung der Kohleproduktion überstanden: In 2016 war der Anteil von Kohle an der Elektrizitätserzeugung 43% und fiel bis zur ersten Jahreshälfte in 2020 auf unter 20%. Und wirtschaftlich gesehen macht Kohleförderung auch keinen Sinn: Der in London ansässige Think Tank “Carbon Tracker” schätzt, dass 90% der deutschen Kohlekraftwerke in 2019 Verluste gemacht haben.


    Warum also dieser erschreckende Mangel an Ehrgeiz? Der Kohleausstieg ist eine politische Entscheidung und die Politik in Deutschland ist bestimmt dadurch, dass sie drei wichtige Anspruchsgruppen besänftigt: Die Koalitionsparteien, die Bundesländer und marktführende Industriebetriebe. Um diese drei Gruppen zufriedenzustellen, entwickelt die Regierung oft Lösungsansätzen, denen es an Ehrgeiz mangelt und die die Kosten - finanzielle und ökologische - auf die breite Bevölkerung abwälzen.


    Im Falle des Kohleausstiegs wurde das Problem einfach mit Geld überschüttet. Die Grünen (Partei) und die Bundesländer waren beschwichtigt, dafür die vom Kohleausstieg am härtesten getroffenen Regionen gesetzlich 40 Milliarden Euro Unterstützung vorgesehen sind. Die Kohleindustrie hat 18 Jahre Zeit, um die verlustbringenden Kohlefabriken abzuschalten. Und wenn es dann zur Stilllegung der Werke kommt, erhalten diese dazu noch Milliarden an Entschädigungen. Das Wochenmagazin Der Spiegel hat Anfang Januar 2020 berichtet, dass die Stilllegungspläne der Regierung identisch sind mit alten Plänen der Kohlefirma LEAG aus dem Jahre 2016. Wenn dies der Wahrheit entspricht, dann wird LEAG bis zu 1,75 Milliarden Euro erhalten, nur um genauso weiter zu machen, wie ohnehin geplant.


    Und hier kommt der Twist: Wenn Kohlefabriken früher als erwartet schließen, steigen die Entschädigungszahlungen, und dadurch auch die Kosten für den deutschen Konsumenten. Jedoch bedeutet dies nicht automatisch, dass sich der CO2-Ausstoß verringert. So machte ein Branchen-Journalist bei Veröffentlichung des Gesetzes auf folgendes aufmerksam:
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    ,,Sobald die Auszahlungen gesetzlich geregelt wurden, besteht wenig Anreiz, diejenigen Kraftwerke am Laufen zu halten, die kaum ihre eigenen Kosten decken. Diese Bestände an Emissionszertifikaten (die im Besitz der Kohleförderer sind) könnten sogar gewinnbringend an andere Betriebe verkauft werden, die mehr davon haben würden.” (Quelle: Yahoo Finance)


    Indem sie der Kohleindustrie weitere 18 Jahre gibt, belastet die deutsche Regierung Konsumenten mit dem gesamten Risiko und Kostenaufwand. Es ist schwierig nachzuvollziehen, was Konsumenten als Gegenleistung für die Milliarden an Euro, die sie in dieser Zeit investieren, erhalten werden.

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    Also, was können wir tun? Ich denke der einzige Weg, um klimarelevante Themen mehr zu pushen, wäre durch einen politischen Machtwechsel. Die etablierte politische Riege sollten den Weg freigeben für ein neues Team mit mehr Elan und Fokus auf die Zukunft. Sind deutsche Wähler bereit für glühenden Ehrgeiz? Ich hoffe ja.

    Habt Ihr eine Meinung zum aktuellen Stand des Kohleausstiegs in Deutschland?


    Liebe Grüße,
    Andrew
    Gründer von 4hundred

    Andrew ist regelmäßig in der Community aktiv um 4hundred mit Euch besser zu machen.
    Er hat leider nicht die Möglichkeit, täglich im Forum präsent zu sein. Habt Ihr Fragen oder Anregungen, schreibt sie bitte als Kommentar unter seine Threads, oder als Privatnachricht an Theresa. Sie kümmert sich darum, dass Eurer Input Andrew erreicht.
  • Ich denke mal das das Problem beim Kohleausstiege darin liegt das in einigen Kohlekraftwerken Ersatzbrennstoff auch genutzt wird. Der Ersatzbrennstoff ( EBS) besteht aus Siedlungs- und Industriemüll. Dieser Müll müsste dann auf anderem Wege verbrannt werden. Wieviel EBS genutzt wird weiß ich gerade nicht aber es wird nicht wenig sein. Solange wir die Müllentsorgung nicht verbessern wird die Politik vermutlich an Kohlekraftwerken festhalten.

    Würde mich auch nicht wundern wenn Kohlekraftwerke Zuschüsse bekommen wenn die EBS nutzen und dadurch zumindest kostendeckend betrieben zu werden.

    Wenn man Müllvermeidet und die Wiederverwertung verbessert durch staatliche Maßnahmen könnte man auf Kohlekraftwerke verzichten, aber das ist ein Langweg bis dahin.


    Lg
    Ich weiß das ich ein Rad ab habe, schaumal wie schön das rollen kann. Huiiii ====O

    ​​​​​​​:-) :-)
  • Ich denke mal das das Problem beim Kohleausstiege darin liegt das in einigen Kohlekraftwerken Ersatzbrennstoff auch genutzt wird. Der Ersatzbrennstoff ( EBS) besteht aus Siedlungs- und Industriemüll. Dieser Müll müsste dann auf anderem Wege verbrannt werden. Wieviel EBS genutzt wird weiß ich gerade nicht aber es wird nicht wenig sein. Solange wir die Müllentsorgung nicht verbessern wird die Politik vermutlich an Kohlekraftwerken festhalten.

    Würde mich auch nicht wundern wenn Kohlekraftwerke Zuschüsse bekommen wenn die EBS nutzen und dadurch zumindest kostendeckend betrieben zu werden.

    Wenn man Müllvermeidet und die Wiederverwertung verbessert durch staatliche Maßnahmen könnte man auf Kohlekraftwerke verzichten, aber das ist ein Langweg bis dahin.


    Lg
    Ich weiß das ich ein Rad ab habe, schaumal wie schön das rollen kann. Huiiii ====O

    ​​​​​​​:-) :-)
  • Hallo Muecke,

    Das ist ein sehr guter Punkt!

    Wenn wir jedoch den Kohleausstieg früher durchführen würden, würde es uns zwingen unser Müllproblem direkt anzugehen. Ich mache mir Sorgen, dass wir durchs Verbrennen einfach nur dem Problem aus dem Weg gehen Alternativen zu finden und so nicht weiter kommen!

    Liebe Grüße,
    Andrew
    Gründer von 4hundred

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    Er hat leider nicht die Möglichkeit, täglich im Forum präsent zu sein. Habt Ihr Fragen oder Anregungen, schreibt sie bitte als Kommentar unter seine Threads, oder als Privatnachricht an Theresa. Sie kümmert sich darum, dass Eurer Input Andrew erreicht.
  • Hallo Muecke,

    Das ist ein sehr guter Punkt!

    Wenn wir jedoch den Kohleausstieg früher durchführen würden, würde es uns zwingen unser Müllproblem direkt anzugehen. Ich mache mir Sorgen, dass wir durchs Verbrennen einfach nur dem Problem aus dem Weg gehen Alternativen zu finden und so nicht weiter kommen!

    Liebe Grüße,
    Andrew
    Gründer von 4hundred

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    Er hat leider nicht die Möglichkeit, täglich im Forum präsent zu sein. Habt Ihr Fragen oder Anregungen, schreibt sie bitte als Kommentar unter seine Threads, oder als Privatnachricht an Theresa. Sie kümmert sich darum, dass Eurer Input Andrew erreicht.